Titelbild Daniel Herrmann Anna Riethus

Thesen, Trollen und Trompeten

johanna Rosenbusch über Gründen, scheitern, Schuld und Das Gute im nicht ganz so Guten

daniel paper rund

Liebe Johanna,

wir wollten über unsere Gründungen reden. Zwei Mal „hätte, hätte Fahradkette“.

Kommen wir doch direkt zum Punkt: Wer (von den Mitgründern) ist bei Dir schuld?

Viele Grüße

Daniel

 

Lieber Daniel,

Ich liebe die Klarheit des Formats und habe es um eine eigene Regel ergänzt: spätestens wenn die Tafel Schokolade verspeist ist, muss ich diese erste Email schreiben.

Da bin ich.
Wer (von den Mitgründern) ist bei mir schuld? Die Frage verursacht Herzklopfen und kalte Füße. Mein erster Impuls zu antworten war: keiner und alle.
Keiner, weil ich inzwischen sagen würde, dass es nicht anders hätte laufen können. INNOVATION RADICALS war in meinen Augen eine Verschmelzung unserer Egos. Und dass das zum Scheitern verurteilt war… eh klar.
Alle, weil es für mich ganz klare Learnings gibt, die direkt mit uns als Menschen zusammenhängen. 
Aber auf dem Level ist die Unterhaltung irgendwie belanglos und ich habe Lust, Spannung zu erzeugen. Ich will mich also mal am Beschuldigen probieren. Disclaimer – ich verwende jetzt mal Klarnamen und erbitte mir die Option, die später noch zu ersetzen.

ddfgdgfdgj[… EDIT: von der Option machen wir ja nun beide Gebrauch – die folgenden Absätze sind also immer mal wieder „entschärft“… ] [… UPDATE: von der Option machen wir ja nun beide Gebrauch – die folgenden Absätze sind also immer mal wieder „entschärft“… ][… UPDATE: von der Option machen wir ja nun beide Gebrauch – die folgenden Absätze sind also immer mal wieder „entschärft“… ][… UPDATE: von der Option machen wir ja nun beide Gebrauch – die folgenden Absätze sind also immer mal wieder „entschärft“… ] [… UPDATE: von der Option machen wir ja nun beide Gebrauch – die folgenden Absätze sind also immer mal wieder „entschärft“… ]

Das Thema, das uns bis zum Ende begleitet hat (bzw. dort hingebracht hat) ist Finanzen. Das lag in der Hand bei einem meiner Mitgründer – und ich habe mich da rausgehalten, so nach dem Motto “der hat schon den Überblick”. Was dann – ich möchte hier nur von mir sprechen – in meinem Fall dazu geführt hat, dass ich meinen Beitrag zu wegweisenden Entscheidungen (z. B. ein zweites Office in Berlin) primär aus dem Bauch heraus geleistet habe. Das würde ich heute nie wieder so machen.

Puh, ich bekomme ganz schönes Herzklopfen, diese Stories rauszukramen! Zwei hab ich noch.

Wer das liest ist doof. Vorwurf, Wer das liest ist doof. Wer das liest ist doof.Wer das liest ist den doof.Wer das liest ist doof. Ich so Werr das liest ist doof. Wer das liest ist doof. Nicht Wer das liest ist doof. Wer veröffentlichen möchte das liest ist doof.Wer das liest ist doof.Wer das liest ist doof.Wer das liest ist doof.

Marko ist derjenige von meinen Co-Foundern an den ich noch am häufigsten zurück denke. Ich habe jetzt, nach Jahren, immer noch “Aha”-Momente und denke: “Ah – das hat er damals damit gemeint – wie smart!”. 

Und – wenn ich schaue, was mich noch umtreibt (der Hals wird mir eng): Das ist zwar streng genommen Post-IR, aber dahinter steckt vielleicht etwas Grundsätzliches: Dass Sebastian jetzt mit der Marke weitermacht, belastet mein Verhältnis zu ihm leider noch immer. Ich kann mir “seine” IR-Webseite immer noch nicht anschauen. Bzw. ich schaue sie mir an, aber urteile hart, denke mir dass es nicht so cool ist wie es war, als es noch “unseres” war. Da steckt noch richtig Emotion drin.

[… In der Zwischenzeit habe ich ja meine eigene Marke. Seitdem – völlig gegessen für mich das Thema. Vor zwei Wochen haben wir uns zum Kaffee getroffen und ich habe mich einfach total gefreut ihn zu sehen. Lustig, oder?]

So. Bei welchem Thema Eurer Gründungsgeschichte schlägt Dir der Puls bis zum Hals?

LGJO

Liebe Johanna,

danke für den Versuch, Spannung zu erzeugen und an einen Punkt zu kommen, der nicht belanglos und Social-Media-mäßig einfach sagt: „es war eine tolle Journey und ich habe so viel gelernt. Danke an alle Mitreisenden.“ 

Bei mir schwankt der Blick zurück immer. An manchen Tagen freue ich mich tatsächlich, über die Art und Weise, wie die Zeit mein Leben heute noch beeinflusst. An anderen Tagen fühle ich mich verraten. An anderen als Gescheiterter, der im entscheidenden Jahr seines Berufslebens nicht gut genug war. Trotz des positiven Feedbacks der meisten Kunden, Chefs und Kollegen vorher und danach: Vielleicht doch falsche Selbstwahrnehmung und ich bin nicht so geil wie ich insgeheim denke. 

Seit Du mich angerufen hast und mich eingeladen hast, uns zu dem Thema auszutauschen, wälze ich das Thema in meinem Kopf. Dabei komme ich immer einem Punkt näher, den man wohl als Abschluss (neudeutsch) Closure bezeichnen würde. Dieses Format ist meine Therapie. Wenn Du – aus nachvollziehbaren Gründen – nicht mitmachen magst, wäre ich traurig. Wahrscheinlich würde ich Dir dann einfach einen Braindump schicken -mit allem, was ich schon immer mal zu dem Thema loswerden wollte.

Ich weiß gerade selber nicht, ob ich den Austausch veröffentlichen möchte. Vielleicht schwärzen wir am Ende auch einen Teil und veröffentlichen den Rest? 

Für mich dreht sich viel um die Fragen: Was habe ich zum Ende von Monokel Consulting noch nicht gesagt? Was noch nie den anderen Menschen im Team? Was werde ich nie sagen, weil es ein unnötiges Nachtreten ist? Was muss raus, auch wenn es weh tut, damit es danach heilen kann. Damit die Beziehung zu den Mitgründern vielleicht noch mal so gut wird, wie sie in den Momenten der größten Verbundenheit war. Oder muss ich mich damit abfinden, dass ich zwei Menschen verloren habe, weil ich sie immer mit einer eigenen persönlichen Niederlage verbinde? 

Kjkjlkj bla bla bla [… EDIT: hier stand mal ein langweiliger Teil über das Format…] bla bla bla sauermilch

Ganz ehrlich gesagt, war die Frage „Wer ist schuld“ als Frotzelei gedacht. Ich habe mit einer Antwort a la „alle und keiner“ gerechnet und mir ausgemalt, dass wir dann zu Themen kommen, die mehr „Ich-Botschaften senden. Die unsere Reflektionsprozess im Fokus haben. Was wir über die Zeit bei IR und Monokel Consulting sagen, sagt ja mehr über uns aus als über die Mitgründer.

Ich würde vor alles den Disclaimer setzen: Ich bin ehrlich, aber ich schreibe nicht die Wahrheit. Das ist meine subjektive Erinnerung an einer Realität, die ich damals schon verzerrt wahrgenommen haben. Wie bei Wolf on Wallstreet, wenn der Ferrari die Farbe wechselt, um klar zu machen, wie subjektiv die ganze Geschichte ist.

Was ich schreibe, sagt nur etwas über mich aus, nicht über Timo und Daniel, weil das, was ich schreibe, nie so stattgefunden hat.

Gemein gemein gemein […EDIT: geschwärzter Text…] gemein gemein gemein

Für mich persönlich gibt es mit Bezug zu Monokel Consulting zwei Möglichkeiten:

  1. Die heimtückischen Täter Daniel und Timo haben mich in ein Unternehmen gelockt, die Kohle mitgenommen und sobald sie es sich leisten konnten und es für ihr Spiel erforderlich war, fallen gelassen. Dabei haben sie mich immer wieder angelogen und Commitments gemacht, die sie nicht eingehalten haben. Ich bin hier ein Opfer.
  2. Wir haben zusammen ein Unternehmen gegründet. Das größte Risiko „Deine Mitgründer haben noch ein anderes Unternehmen. Dort tun sie was sie lieben. Und es ist eigentlich ein Vollzeitjob. Das wird scheitern.“ Ist am Ende eingetreten. Ich habe alle Warnsignale missachtet, weil es mir in dem Moment vielversprechender war, weiterzumachen.  Aber was lässt sich daraus lernen? Kann ich dafür etwas für das nächste Venture mitnehmen? Oder bleibe ich verbittert zurück und werde ein Typ „Das hat bei mir nicht geklappt. Bei Euch kann das auch nicht klappen“. Oder liest das hier jemand und denkt: „Ich bin in einer ähnlichen Situation und unter den und den Umständen und mit diesen Maßnahmen kann es doch klappen.“

Mich als Opfer zu sehen, löst eine kognitive Dissonanz aus (siehe oben: ich bin doch ein toller Typ und kann deshalb nicht Opfer sein).

Also Johanna, hast Du Lust den Dialog wieder aufzunehmen und ich sage Dir, bei welchen Themen mir der Puls hochgeht. Oder soll ich dich mit der nächsten 5000-Wörter-E-Mail überschütten?

Liebe Grüße

Daniel

Lieber Daniel,

Es hat mir gutgetan, Deine E-Mail zu lesen. Und das war ja für mich einer der Ankerpunkte schon in unserem damaligen Telefonat – wie erleichtert ich nach dem Scheitern von IR war, als ich endlich mal mit einer anderen gescheiterten Gründerin gesprochen habe. Endlich jemand, der nachvollziehen konnte, wie es mir geht. “Leid kommt, wenn es eintrifft, in nichts dem gleich, was wir erwarten.” – das Zitat von Joan Didion (aus „Das Jahr des magischen Denkens“) habe ich vorhin in der Süddeutschen gelesen und es kommt mir jetzt beim Beantworten Deiner Email in den Sinn. Wie der Tod eines Angehörigen (darum geht es in dem Buch) ist das Schließen einer Unternehmung ein Erlebnis, auf das man sich, glaube ich, einfach nicht vorbereiten kann. Das man sich nicht vorstellen kann.

Ja, lass uns diesen Dialog gerne weiterführen. Es hat therapeutische, reinigende Züge. Und darum geht es mir glaube ich auch. Das Prozessieren von dem, was (wie) ich es erlebt habe mit jemandem, der ähnliches erlebt hat – aber nicht mit mir.

Grrrrrrrrrrrrrrrrrr [… EDIT: hier haben WIR uns ausnahmsweise mal gestritten…] grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrr ggggggggrrrrrrrrr

Denn das zeigt mir wieder wie einzigartig jede Gründungsgeschichte ist. Es gibt mindestens so viele Wahrheiten wie Gründer, bei kognitiver Dissonanz sogar mehr. Ich stehe ja – worüber ich sehr glücklich bin – noch mit allen drei Mitgründern in Beziehung. Die mit Marko ist die, die mir am wichtigsten ist, und auch die, die am meisten verletzt wurde. Bei der mir lange nicht klar war, ob sie zu retten ist. Wir nähern uns wieder an, hatten inzwischen zwei sehr gute Gespräche. Das Nebeneinander Stellen von unseren beiden Wahrheiten, meiner und Markos – akzeptierend das es genau das sind: zwei individuelle Wahrheiten, habe ich als sehr heilend erlebt.

Ich habe ja meine letzte Email “zurückgepfiffen”. Wenn ich mir die Münze in der Luft ansehe und sie erneut lese, finde ich sie an manchen Stellen zu vereinfachend. Es war ein Versuch Storytelling dabei – und das wird der komplexen Geschichte nicht gerecht. In diesem Sinne: es werden noch viele weitere Wahrheiten folgen.

Wenn es sich ausgesprudelt hat, lass uns gemeinsam draufschauen und ich bin mir sicher, wir werden etwas damit machen können.

Ich fragte, bei welchen Themen Dein Puls hochgeht – mal ehrlich – bei der Email unten ging Dir doch garantiert auch zwischendurch mal die Pumpe, oder? Was gibt’s da denn noch?

LGJO

Liebe Johanna,

also dann mal direkt ran an den Speck.

Es gibt so viele Themen, die immer noch meinen Puls nach oben treiben, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Ich suche immer nach Kategorien, Clustern, Themen, usw., um meine Texte zu strukturieren. Hier gelingt mir das nicht so gut. Aber auch auf die Gefahr hin, dass das hier ein Sammelsurium an Anekdoten wird…

  1. Commitment und Liebe:

Langweilig langweilig langweilig [… EDIT: zu langer Exkurs über die Gründungsdetails… hier ist nur wichtig: Wir wollten ein halbes Jahr testen, ob wir als Gründungsteam zusammenpassen] langweilig laaaaaaaaaaangweilig langweilig

Timo sagte mir aber auch ganz klar: Zu einem eigenen Unternehmen gehört Leidensfähigkeit und dir muss klar sein, dass es schwer und hart wird. Versprich mir, dass du nicht sofort aufgibst, wenn es hart wird. Und Daniel sagte mir sinngemäß: Zu einem eigenen Unternehmen gehören viele Dinge, die nichts mit der inhaltlichen Arbeit zu tun haben. Das ist was anderes als freelancen und da kannst du froh sein, dass wir da schon so lange Erfahrungen sammeln konnten.

Langweilig […auch hier gibt es eine minutiöse Erklärung von Details. To make a long story short: monetäre und zeitliche Comittments, die zum Teil schon in der Gründungphase nicht eingehalten werden konnten, weil das Game-Studio zu fordernd war…]langweilig laaaaaaaaaaangweilig langweilig

In meiner Wahrnehmung haben die beiden im Zweifel immer das Überleben von Monokel Studio immer höher gewichtet haben als das von Monokel Consulting. Die beiden sehen das vielleicht anders. Aber ich glaube niemand, der einen besseren Einblick in Monokel hatte, würde meine Sicht bestreiten.

Langweili ngw eil iggweiliggweiliggwe iliggweiliggweiliggwei liggweiliggweiliggw eiligg weiligg [… hier folgte eine ellenlange Auflistung von weiteren Beispielen und viel „he, said, she said“]]langweilig laaaaaaaaaaangweilig ngweiliggweiliggweilig gweiliggwe iliggweiliggweiliggw eiliggweiliggweilig

Und das ging für mich so weiter bis zum Ende. Als wir während des ersten Lock-downs miteinander gesprochen haben, waren Daniel und Timo sofort dafür, Monokel Consulting einfach ruhen zu lassen. Alle Vorschläge bezüglich Aufbau von Online-Beratung wurden als aussichtslos oder sogar moralisch verwerflich („ich will mich nicht daran bereichern, dass Unternehmen jetzt gezwungen sind, im Homeoffice zu arbeiten“) hart abgecancelt. Es fühlte sich so an, als wären die beiden froh, einen Anlass zu haben, sich für ein paar Monate voll auf das Spiel zu konzentrieren.

2. Persönliche Verletzungen:

Das ist jetzt wirklich persönlich, aber was soll’s?

Grrrrrrrrrrrrrrrrrr [… EDIT: hier folge die Schilderung eines Streits am Telefon, der zumindest bei mir deutliche Spuren hinterlassen hat. Die Details sind mit etwas Abstand tatsächlich zu persönlich, aber die Erinnerung daran zeigt: Ein eigenes Unternehmen triggert viel stärker als „normale“ Arbeit im Angestelltenverhältnis. Ob ich vor oder nach dem Auflegen „Fick Dich“ geschrien habe, weiß ich wirklich nicht mehr. Das war das erste und einzige Mal, dass ich im Business Context vollkommen ausgerastet bin und meine Emotionen (hier Wut) nicht kontrollieren konnte…]grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr ggggggggrrrrrrrrrGrrrrrrrrrrrrrrrrrr [… EDIT: hier folgte noch eine Auseinandersetzung, die wir aber inzwischen sehr gut aufgearbeitet haben und die auch zu persönlich für eine Veröffentlichung ist…]grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrr ggggggggrrrrrrrrr

Ein weiteres Beispiel ist die Entscheidung, das Büro im ersten Lockdown zu schließen und alle Termine abzusagen. Darunter auch das Treffen mit einem sehr interessierten potenziellen Kunden. Die Entscheidung haben die beiden anderen an einem Samstag alleine getroffen und mir das per WhatsApp mitgeteilt. Inhaltlich war die Entscheidung wahrscheinlich richtig. Mit war damals aber schon klar, dass wir das als Unternehmen nicht überstehen würden. Ich habe mich einfach alleine gefühlt und den beiden geschrieben, dass ich mich bei der Entscheidung außen vorfühle. Die beiden haben das überhaupt nicht verstanden und mich als Egozentriker hingestellt. Und das enttäuscht mich immer noch. Ich habe mir den WhatsApp-Verlauf gerade sogar noch mal angesehen und finde das, was ich geschrieben habe immer noch vollkommen in Ordnung. Und so bleibt das Gefühl, in der Krise allein gewesen zu sein.

Ich habe auch noch die Überschriften „Verantwortung“, „Scheißarbeit“ und „mein Beitrag zum Scheitern.“  Aber die Kinder weinen.

also immer mal wieder „entschärft“… ][… hier folgte eine Reflektion über die Kommunikation zwischen mir und Johanna. Damals wichtig. Heute nicht…] un beide Gebrauch – die folgenden Absätze sind also immer mal wieder „entschärft“… ]

Also, was denkst Du zu meinen Punkten. Und magst Du auch noch etwas teilen?

Viele Grüße

Unsere 24h Regel ist ausgesetzt, oder? Dafür sind die Bretter einfach zu dick die wir hier bohren.

Und, bevor ich jetzt eintauche, kurz vorab: ich übe seit Anfang des Jahres Radical Honesty. Und dazu gehört, dass ich es teile, wenn mich etwas ärgert.

Kjkjlkj [… EDIT: zu ehrlich um veröffentlicht zu werden…]sauermilch

Beim Lesen Deiner Email ist mir manches Mal richtig eng im Hals geworden. Mal aus Betroffenheit, mal aus Empörung. Diverse Szenen aus unserer Gründungsgeschichte kommen mir hoch. Der Gedanke, wie ähnlich sich unsere Geschichten an bestimmten Stellen sind, und wie unterschiedlich wieder an anderen.

Ich sortiere es mal nach Gefühlen.

Ärger.

Ärgerlich bin ich zweimal beim Lesen geworden. Einmal, als es hieß es sei moralisch verwerflich sich daran zu bereichern, dass die Unternehmen jetzt im HomeOffice arbeiten sollen. Bitte? Was ist das denn für eine krude Sicht auf die Beratung? Da bekomme ich echt Schnappatmung. Das andere Mal, als man sich für das Schließen vom Büro und das Absagen des Akquise-Termins entschieden hat – ohne Dich. Finde ich dumm und nicht fair Dir gegenüber. Bin also klar #TeamHerbie

Gemein gemein gemein […geschwärzter Text…] gemein gemein gemein

Finde ich dumm und nicht fair Dir gegenüber. Bin also klar #TeamHerbie

Traurigkeit.

“Wir drei Gründer haben das erste Mal so richtig intensiv und verbindlich an Ostern 2018 über das neue Unternehmen gesprochen”… unser erstes Gespräch war im Sommer 2015 in der Kölner Südstadt in einem Park. Damals glaube ich noch ein unverbindliches Kennenlernen. Ehrlich gesagt kriege ich die Anfangsgeschichte von INNOVATION RADICALS nicht mehr ganz zusammen. Jedenfalls hat sich da alles noch sehr leicht angefühlt – auch zwischen uns vier. Das macht mich nostalgisch.

Scham.

Kjkjlkj [… EDIT: das folgende war ein ellenlanger Absatz. Zum Veröffentlichen ist ein Schweizer Käse
draus geworden – quasi die Essenz…]
sauermilch

Du beschreibst ja immer wieder, wie alleine Du Dich gefühlt hast. Ich glaube, so hat sich Marko mit uns drei anderen gefühlt. Und dafür schäme ich mich wohl.

Wir haben im Frühjahr 2018 (?) mit einem neuen Coaching begonnen.

Gemein gemein gemein […EDIT: ups, Vegas Regeln …]gemein gemein gemein

Die Erleichterung, die ich damals gespürt habe, ging mir durch Mark und Bein.

Wir kamen zu viert einfach nicht voran. Waren wie festgefahren. Ohne Marko ging es stellenweise leichter, es hat aber auch echt etwas gefehlt. Heute würde ich sagen: ein Stück Seele. INNOVATION RADICALS war einfach die “magic” die passiert ist, wenn wir vier zusammen geilen Scheiß gemacht haben. Im Projekt, im Doing, waren wir immer ganz nah beieinander und haben super funktioniert. Aber zusammen eine Firma aufbauen, da war keine Magie, nur vier Egos.

Es ist spät und ich möchte schlafen. Und ich möchte wissen, was Du noch zu erzählen hast. Ich hoffe die Kinder weinen nicht mehr (was für ein passender Abschlusssatz war das bitte!). Ich hätte gerne noch ein bisschen von IR erzählt. Beim nächsten Mal. Frag mich mal was.

LGJO

Jo. 24h schaffe ich nicht. Zu alt, zu langsam, zu viel Selbstvertrauen bei der Annahme von Aufträgen. Mal was Schönes: Wie beeinflusst die Zeit bei IR Dein Leben heute positiv? Was konntest Du mitnehmen?

Moin Daniel,

Vielen lieben Dank für diese schöne Frage zum Wochenausklang. Sie hat mich sehr glücklich gemacht. Denn, in der Tat: IR hat mich glücklich gemacht. Inklusive Scheitern. Ohne die drei Jungs hätte ich nicht den Mut gehabt zu gründen. Sie wollten mich dabei haben und ich wusste noch nicht eimal genau warum. Nur, dass sich die Zusammenarbeit richtig gut angefühlt hat, so wie “genau das was ich schon immer machen wollte”. Durch die Zusammenarbeit bei IR habe ich meine eigenen Talente und Stärken dan nach und nach viel klarer sehen können. Und mich als Gründerin und als Mensch selber krass weiterentwickelt. Dabei sticht für mich vor allem das “Prototyping Mindset” raus.

Ich bin in einem Lehrerhaushalt aufgewachsen. Meine Eltern waren Beamte, meine Geschwister sind Beamte, in meiner Familie geht man auf Nummer sicher. Ich bin da heute, als Gründerin, als Selbständige in der freien Wirtschaft, ein totaler Exot. Meine Haltung ist grundlegend anders. Ich begreife mich selbst als Prototypen. Bei IR wussten wir nie genau was richtig ist. Weder im Feld Innovation (da gibt es kein richtig und falsch) – noch bei der Frage, wie wir uns selbst als Organisation aufstellen. Unser Kern-Tool war eigentlich immer Design Thinking. Das iterative Herantasten an Problem und Lösung, das Aufstellen von Hypothesen und anschließende Testen waren eine tiefgreifende Lernerfahrung für mich.

Gemein gemein gemein [… EDIT: langweiliges Beispiel…]gemein gemein gemein

Wenn ich heute Menschen frage, was ich in unsere Zusammenarbeit bringe, ist es oft genau das: Das Prototyping Mindset. Ich kann das gut in Kontexte einbringen, die davon noch weit entfernt sind. Corporates sind ja fast wie Beamte. Ich vermute deshalb, weil ich nachfühlen kann, wo die grade stehen.

Nach IR war ich erstmal ziemlich orientierungslos und habe einfach erstmal so weitergemacht. Erst nach ziemlich genau einem Jahr habe ich mich ein zweites Mal, aus vollem Herzen, für meine eigene Firma, meine eigene Selbständigkeit entschieden: www.authenticityat.work. Das war nochmal schwierig. Ich bin ja jetzt alleine. Kann Dinge, die mir nicht so liegen, nicht an meine Mitgründer abgeben. Muss meine eigene Sprache, meine eigene Art zu Netzwerken und Akquise zu machen finden. Früher war ich fest davon überzeugt, dass es Themen gibt, die ich “einfach nicht kann”. Heute verstehe ich, dass es vielmehr darum geht, meinen eigenen Weg zu finden. Ich habe z. B. erst durch einen Kommentar von meinem Mann verstanden, dass ich durchaus “netzwerke”. Ich habe bei dem Stichwort bis dahin immer den extrovertierten Marko vor meinem geistigen Auge gehabt. Immer am Telefon. Immer im Kontakt mit crazy Leuten. Bekannt wie ein bunter Hund.

Das bin ich nicht. Mein Netzwerken kommt mir stiller vor. Ich erzähle viel von mir, bin ganz da, als Mensch. So kommen oft auch private oder “Orchideen”-Themen auf. Ich gebe aktiv (erzähle, teile Gedanken, stelle Kontakte her) und bekomme (irgendwann) und (irgendet-) was zurück (Reaktionen, Inspirationen, Anfragen). Bisher bin ich davon ausgegangen, dass die Aufträge, die ich bekomme, Zufall sind. Sind sie nicht. Checke ich jetzt erst.

So. Für welche Elemente Deiner Gründungserfahrung bist Du dankbar? Was bleibt Positives?

So, da bin ich wieder.
Das ist wirklich eine schöne und Nachricht. Die viel Zuversicht ausstrahlt. Und nachdem wir ja auch schon über die „nicht so schönen“ Seiten am Gründen gesprochen haben, kann ich diese Zuversicht irgendwie viel besser annehmen.

Das mit dem Beamtenhaushalt finde ich total spannend. Ich komme auch aus einer Beamtenfamilie. Zweimal Stadtverwaltung und mein Vater war – glaube ich – der erste in seiner Familie, der überhaupt jemals einen „Bürojob“ hatte. Und er war am Ende in der öffentlichen Verwaltung recht innovativ unterwegs: Dormagen: Schuldenfrei – Monheim macht’s vor (rp-online.de) Bei mir hat sich das familiäre Umfeld irgendwie positiv auf meine Lust zu gründen ausgewirkt. Wir waren nicht reich, aber hungrig musste ich auch nie ins Bett. Mein Vater sich auf dem zweiten Bildungsweg tatsächlich alles selbst erarbeitet. Der Mercedes stand erst sehr spät in der Einfahrt. Ein Studentenleben hatte meine Eltern nie. Trotzdem haben sie mir irgendwie immer gegönnt, dass ich die Chancen wahrnehme, die sie nie bekommen haben. Und eine davon war der Schritt in die Selbstständigkeit.

Also, was nehme ich vom Gründen mit:

Erstens habe ich jetzt in Innovationsthemen echte „Street-Cred“. Ich hab bei echten agilen Projekten mitgemacht und mir mit den Jungs und Mädels im DevTeam die Mate geteilt. Ich war sehr nah an einem künstlerischen Husarenstück dran. Wahrscheinlich habe ich da sehr vielen Business Kaspern, die jetzt als Agile Coach durch die Gegendlaufen einiges voraus. Dabei habe ich echt von Daniel und Timo Erfahrungsschatz „in Kunst und Entertainment“ profitieren. Unsere Projekte „Duft im Digitalen“ oder „Audio Game für Blinde im Museum“ waren einfach toll und beeindrucken heute noch viele Gesprächspartner. Ich arbeite ja gerade auch mit „Deinem“ Matthias am Triglu. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihm da ohne Monokel cool genug gewesen wäre, um da mitzumachen.

Zweitens habe ich viel Vertrauen in meine kreative Seite gewinnen können. BWL-Studium und Schwerpunkt Logistik haben irgendwie ihre Spuren hinterlassen und zwischendurch habe ich mich mal selbst als Erbsenzähler gesehen. Bei Monokel war ich in vielen Kreativsessions dabei und habe zum Erfolg beigetragen. Mit fehlt natürlich das Handwerkszeug. Ich kann nicht malen oder nur schlecht coden. Aber in Ideationphasen sprudelt es aus mir heraus. Das Methodenset aus der Managementberatung hat in den analytischeren Phasen von Innovationsprojekten echt geholfen. Ich würde heute von mir behaupten, dass ich Kreativteams besser mache.

Drittens habe ich meine Liebe zum Spiel wiederentdeckt. Das betrifft nicht nur Spiele spielen, sondern vor allem einen spielerischen Weg, um mir die Welt zu erschließen. Und das ist einfach toll.

Viertens war ich ja leider fast alleine für den Vertrieb verantwortlich. Und das hat funktioniert. Ohne dreckiges Vertriebsgehabe oder Klinken putzen. Sondern einfach mit Authentizität und Lust auf neue Menschen. So zumindest meine Selbstwahrnehmung. Und das will ich auch in Zukunft so machen.

Fünftens waren Timo und Daniel in vielen Punkten kompromissloser was ihre Anforderungen an Ihre Arbeit angeht. Ob das wegen mehr Rückgrat oder weniger Bereitschaft war, die Komfortzone zu verlassen, weiß ich nicht. Aber ihre Einstellung hat Spuren hinterlassen und ich habe eine noch klarere Vorstellung davon, wie ich arbeiten will und wie nicht. Oder davon was ich kann und was nicht. Und da bin ich nah bei dem, was Du am Anfang schreibst.

Sechstens muss ich eins noch sagen: Ich schätze vieles von dem, was die beiden anderen tun und sind immer noch sehr. Und die beiden haben mir in einigen Momenten sehr wertvolles Feedback gegeben. Das hat auch dazu geführt, dass ich mich inzwischen eher auf meine Stärken konzentriere. Also eher was kann noch besser werden als was muss weniger schlecht sein.

[EDIT: …langweilig…]

Oder die Entwicklung des Bewusstseins, dass ich nicht nur Arbeitszeit verkaufe, sondern auch gottgegebenes Talent und antrainierte Fähigkeiten. Also ein Value Pricing mit mir selber. Ist das irgendwie nachvollziehbar?

Ich finde auch das, was Du über Deine Art zu Netzwerken schreibst sehr schön. Ich hoffe, dass Deine Art am Ende „gewinnt“. Dann wäre die Welt aus meiner Sicht ein besserer Ort.

Zeit, die Papiertonne rauszubringen.

Wer schreibt hier ungefragt und besetzt den öffentlichen Digitalraum wie ein vierzehnjähriger Sprayer?

Johanna Rosenbusch sagt über sich selbst:

Ich schaffe Raum für authentisches, co-creatives Zusammenarbeiten. Das kann für 2 Personen sein oder für 500 – für einen Tag oder mehrere Monate. Das tue ich als Konzeptdesignerin, Sparringspartnerin oder Moderatorin – ich nutze gerne den englischen Begriff „facilitator“.

Meistens arbeite ich im Tandem oder Team, in dem ich dann die Expertise zum „WIE“ mitbringe. Die Themen variieren, oft geht es um Innovation(skultur), Transformation hin zu selbst-organisiertem und agilem Arbeiten und/oder Leadership im Wandel. If you’re curious, have a closer look: – Webseite – Linkedin

Wer will, kann hier mehr erfahren:

Daniel Herrmann ist Grenzgänger zwischen den Welten Produkt- und Organisationsentwicklung zwischen Spiel und Wirtschaft.

Das hier ist mein zweites Blog. Meinen alten Kram (vieles ist mir heute peinlich) findet Ihr unter nalu.digital 

Auf Serious PlayScape könnt Ihr mehr über meine Workshops mit LEGO lesen.

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Nutzerzentrierung ist immer noch hip. So wie zu Zeiten von Walter Ulbricht „rede doch mal mit Deinen Kunden“. Natürlich nicht dort wo Walter Ulbricht Chef war, aber das ist ein anderes Thema. Allerdings gibt es ein Problem: Nutzer oder Interviewpartner aus einer Zielgruppe lügen wie gedruckt: Zu ihren Dienstleistern, zu professionellen Interviewern und vor allem zu sich selbst.

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Die NASA hat in einem großen Test festgestellt, dass Kinder als kreative Genies geboren werden. Beim Erwachsenwerden, verlieren 98% von uns die Fähigkeit, kreative Höchstleistungen zu erbringen. Können wir unser Genie wiederbeleben, indem wir als Erwachsene mehr spielen?

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